Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

wir haben im Bereich Weiterbildung noch eine Menge vor und die gesellschaftliche Entwicklung erfordert eine zügige Umsetzung und Weiterentwicklung. Mich freut, dass das Thema Weiterbildung zunehmend an Bedeutung und Anerkennung gewinnt. Im vergangenen Jahr sind entscheidende Weichenstellungen vorgenommen worden, die sich positiv auf die Weiterbildungslandschaft auswirken werden. Diese möchte ich hier kurz vorstellen.

Herzlicher Gruß
Gudrun Zentis

 

1.     Bündnis gegen Analphabetismus in NRW

2.     Abendrealschulen/Weiterbildungskollegs

3.     Haushalt

4.     Integrationsplan

5.     Weiterbildung von Migrant*innen, Veranstaltung am 24. Juni 2016

6.     Rückblick: Weiterbildungskonferenz im November 2016

7.     Ergebnisse der Anhörung Berufliche Bildung

8.     Veranstaltung "Zukunft lernen. Strategien und Praxis der Bildung für
        nachhaltige
Entwicklung" am 17. Januar 2017

9.     Veranstaltung "Weiterbildung weiterdenken" am 10. Februar 2017

10.  Fazit

 

1.     Bündnis gegen Analphabetismus in NRW

Lesen und schreiben zu können sind wichtige Voraussetzungen für gleichberechtige gesellschaftliche Teilhabe. Rund 1,5 Millionen Menschen gelten in NRW als funktionale Analphabet*innen, die trotz Schulabschluss daran scheitern, ganze Sätze zu verstehen und Texte zu verfassen. Dies macht die Arbeitssuche für diese Menschen sehr schwierig. Die Bekämpfung des funktionalen Analphabetismus bleibt daher eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Bereits 2014 wurde der erste interfraktionelle Antrag dazu im Landtag NRW eingebracht. Dieser hatte unter anderem die Gründung des Netzwerks zur Alphabetisierung (Alphanetz NRW) zur Folge, an dem sich Weiterbildungsverbände, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Kirchen, Wohlfahrtsverbände, Kommunen, Bibliotheken und weitere Akteur*innen der Zivilgesellschaft einbringen und trägerübergreifend beteiligen.

Ministerin Löhrmann übernahm die Schirmherrschaft für das Alpha-Netzwerk, das schnell größer wurde.

Anfang November 2015 wurde der zweite interfraktionelle Antrag zum Thema in den Landtag eingebracht. Er soll darauf hinwirken, bestehende Netzwerke vor Ort stärker in die Alphabetisierung und Grundbildung einzubinden und Erfahrungen aus erfolgreichen Modellprojekten zu übertragen. Auch sollen die Bedarfe an Alphabetisierung und Grundbildung von Geflüchteten ermittelt werden.

Dazu meine Plenarrede

Am 14. November 2016 fand der zweite Grundbildungstag NRW in Mülheim an der Ruhr statt. Sozialpartner und NRW haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht für Grundbildung und Alphabetisierung in Betrieben. Hier ging es hauptsächlich um Grundbildung im digitalen Bereich. Eine vertragliche Vereinbarung zwischen Gewerkschaften, dem Verband der Industrie und dem Land NRW zur Verbesserung der Zusammenarbeit wurde unterzeichnet. Gemeinsame Erklärung der Veranstaltenden

2.     Weiterbildungskollegs (Abendrealschulen, Abendgymnasien, Kollegs)

Die Weiterbildungskollegs leisten auch für Geflüchtete einen enormen Beitrag. Nach dem Besuch von Vorkursen zum Erlernen der deutschen Sprache können die Teilnehmer*innen den Besuch der Abendrealschulen oder Abendgymnasien fortsetzen und die entsprechenden Bildungsabschlüsse erwerben, die es ihnen ermöglichen, eine qualifizierte Berufsausbildung anzugehen oder ein Studium aufzunehmen. Ich habe diese Vorkurse besucht, zuletzt am 22. September 2016 in Euskirchen und war beeindruckt von der großen Motivation, den gesetzten Zielen und der großen Bereitschaft der Geflüchteten, sich in unser Land zu integrieren.

Zahlreiche Weiterbildungskollegs hatten sich mit der Bitte um Unterstützung an uns gewandt, da es hohe Anforderungen gab, wenn Geflüchtete eine Berufsausbildung nachweisen wollten. Denn laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (Ministerin Wanka) konnten Geflüchtete ihren Berufsabschluss nur mittels Originalbelege nachweisen, Glaubhaftmachungen waren nicht ausreichend.

Die Fraktionen haben auf Grüne Initiative hin einen gemeinsamen Brief an Ministerin Wanka geschrieben. Und hier waren wir erfolgreich: Es ist jetzt gesichert, dass auch die Glaubhaftmachung als Nachweis für die Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen genügt. Leider gibt es mittlerweile weitere unsinnige Verschärfungen von Seiten des Bundes, die abgewehrt werden müssen.

Durch Erlass vom 7. März 2016 hat das Bundesbildungsministerium verfügt, dass Schüler-BAFöG an Abendrealschulen in Zukunft nur noch für die letzten beiden Schulhalbjahre gezahlt werden darf. Bislang wurde Schüler-BAFöG für die ganze Schulzeit bewilligt. Das bedeutet eine massive Verschlechterung, die befürchten lässt, dass sich zukünftig weniger Menschen für diesen Bildungsgang entscheiden. Ministerin Löhrmann hat sich in dieser Angelegenheit an Bundesministerin Wanka gewandt und darauf hingewiesen, dass die Regelung auch im Widerspruch zu ihren eigenen Vorschriften steht. Denn in den Verwaltungsvorschriften (BAFöGVwV Tz.2.5.2) heißt es, dass bei einer Unterrichtszeit von mindestens 20 Wochenstunden die Arbeitskraft der Schüler voll in Anspruch genommen wird. Das ist bei den Abendrealschulen in NRW der Fall, damit ist eine Voraussetzung für BAFöG

3.     Haushalt

Mit dem Nachtragshaushalt 2016 wurden zusätzliche 6,25 Millionen Euro für die gemeinwohlorientierte Weiterbildung bereitgestellt. Damit sollen vor allem die Herausforderungen der Zuwanderung bewältigt werden. Für die Familienbildung werden zusätzliche Mittel aus dem Ministerium für Kinder, Jugend und Familie zur Verfügung gestellt.

Die Weiterbildungsträger haben diese Botschaft erfreut aufgenommen. So schrieb der Gesprächskreis der Landesorganisation der Weiterbildung in NRW in seiner Erklärung zum Nachtragshaushalt 2016:

»Wir begrüßen daher außerordentlich, dass die Landesregierung den Hilferuf der Weiterbildungslandschaft gehört hat. Wir wissen um Ihren Beitrag und bedanken uns bei Ihnen und Ihrer Fraktion für die Unterstützung unserer Anliegen. ….«

An den Weiterbildungskollegs ist nicht zuletzt wegen der Beschulung zugewanderter junger Erwachsener der Grundbedarf gestiegen. Deshalb erhalten sie 100 Stellen zusätzlich.

Mit dem im Dezember beschlossenen Haushalt 2017 steigt der Etat für die gemeinwohlorientierte Weiterbildung auf stolze 109,3 Millionen Euro. Die Grundförderung, die mit dem Nachtragshaushalt schon um 5 Millionen Euro erhöht worden war, wird 2017 nochmal um weitere 5 Millionen Euro erhöht. Für die politische Bildung gibt es dazu noch ein Plus von 570.000 Euro für Präventionsmaßnahmen in den Bereichen Salafismus und Rechtsradikalisierung.

Hier die Stellungnahme der Landesarbeitsgemeinschaft für eine andere Weiterbildung NRW e.V. (LAAW) und die Stellungnahme des Gesprächskreises für die Landesorganisationen der Weiterbildung in NRW, und meine Rede vom 1.Dezember 2016 dazu.

4.     Integrationsplan: NRW geht voran!

Am 20. Februar 2016 fand der Fachkongress Integration der GRÜNEN Fraktion statt. Nach umfangreichen Beratungen haben wir mit dem von uns initiierten Antrag den bundesweit ersten Integrationsplan im Plenum abschließend beraten und beschlossen. Mit dem Antrag bringen wir ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg, mit dem bestehende Strukturen gestärkt und Angebote ausgebaut werden können. Unser Engagement schlägt sich auch im zweiten Nachtragshaushalt 2016 nieder. Für die Maßnahmen zum Integrationsplan, die innerhalb kurzer Zeit umgesetzt werden können, wurden mit dem Nachtragshaushalt 2016 über Haushaltsanträge der Koalitionsfraktionen im Umfang von knapp 20 Millionen Euro bereit gestellt. Für 2017 wurden diese Mittel verstetigt.

Rund die Hälfte der Schutzsuchenden sind zwischen 18 und 35, also in einem Alter, in dem die klassischen Angebote von Aus- und Weiterbildung ansetzen. Einige bringen bereits eine gute Schulbildung mit, andere weisen große Lücken in ihren Bildungsbiografien auf – doch wie die Einheimischen haben auch sie ein Recht auf Bildung. Die unterschiedlichen Institutionen in NRW sind gut gerüstet, allen Menschen ein individuell geeignetes Bildungsangebot zu machen, zum Beispiel in Internationalen Förderklassen an den Berufskollegs oder durch die Aufnahme in Weiterbildungskollegs. Einen besonderen Stellenwert haben hier auch die Volkshochschulen. Sie bieten neben Sprachkursen und Qualifizierungsangeboten die Möglichkeit, ungeachtet des Alters Schulabschlüsse zu erwerben. Als Einstiegshilfe sollen die Geflüchteten nach der Zuweisung in die Kommune ein individuelles Bildungsangebot erhalten, das in einer Bildungsvereinbarung mündet.

Integrationsantrag Februar 2016

Entschließungsantrag Grüne/SPD zum Integrationsantrag 16/11229
Beschlussempfehlung zum Integrationsantrag 16/11229

5.     Weiterbildungsbeteiligung von Migrant*innen
        Veranstaltung vom 24. Juni 2016

Bei der Veranstaltung »Weiterbildungsbeteiligung von Migrant*innen« diskutierten wir mit über 50 Teilnehmer*innen. Ministerin Sylvia Löhrmann hielt das einleitende Referat. Des Weiteren referierten der Publizist und Journalist Mark Terkessidis zur Bedeutung der Weiterbildung für Migrant*innen, Christiane Bainski Landeskoordinatorin der kommunalen Integrationszentren, über Bildungszugänge und Iris Witt über politische Bildung und demokratische Partizipation. Akteur*innen aus der Weiterbildung stellten Erfahrungen aus ihrer Arbeit vor, mehr dazu

Zum Thema auch der Antrag der GRÜNEN Bundestagsfraktion:Mehr Bildungsgerechtigkeit in der Einwanderungsgesellschaft 

6.     Weiterbildungskonferenz am 23. November 2016

Am 23. November 2016 tagte die jährliche Weiterbildungskonferenz zum 20. Mal. Sie ist eine Veranstaltung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung, die gemeinsam mit den Sprecher*innen des Gesprächskreises Weiterbildung vorbereitet und durchgeführt wird. Vor über 100 Teilnehmer*innen würdigte Weiterbildungsministerin Sylvia Löhrmann die herausragenden Leistungen der rund 460 Weiterbildungseinrichtungen in NRW: »Die gemeinwohlorientierte Weiterbildung leistet mit ihren vielfältigen Angeboten vom Lernen im digitalen Wandel über das Nachholen von Schulabschlüssen bis zum Sprachkurs für neu Zugewanderte einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.« Dem kann ich mich voll und ganz anschließen.

Deutlich wurde für mich auch nochmals, wie wichtig und förderlich der Austausch mit den verschiedenen Trägern der Weiterbildung ist, um lebenslange Bildung und Erwachsenenbildung zu stärken. Für die gute Zusammenarbeit möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.

Hier findet sich mein Blog-Beitrag zum Thema.

7.   Ergebnisse der Anhörung "Chancen und Risiken des digitalen Arbeitswandels 2 -
      Berufliche Weiterbildung auch online ermöglichen
"

Am 7. Dezember 2016 fand eine Anhörung des Ausschusses Arbeit Gesundheit und Soziales zum Thema statt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Informationen allgegenwärtig, teilweise sogar aufdrängend sind. Nie war es so einfach, an Informationen zu kommen, für den Einzelnen ist aber die schiere Masse an Informationen oft nicht mehr nachvollziehbar oder gar überprüfbar.

Gleichzeitig wird aber erwartet, immer mehr Informationen in eigenes Wissen umzuwandeln. Auch der beruflichen Weiterbildung kommt somit ein immer größer werdender Stellenwert zu. Diese beruflichen Weiterbildungen finden weltweit inzwischen nicht nur im Präsenzverfahren statt, sondern vermehrt auch im virtuellen Raum.

Die bisherigen Regelungen im Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW von 1984, zuletzt gründlich novelliert im Jahre 2009 trägt dem jedoch keine Rechnung. Hier die beiden eingegangen Stellungnahmen dazu: Drucksachen 16/4511 und 16/4505

Im Gesprächskreis der Landesorganisationen der Weiterbildung befasst sich aktuell ein Arbeitskreis mit dem Thema »Digitalisierung in der Weiterbildung«. Mit dem Ergebnis ist im Sommer 2017 zu rechnen und dieses Ergebnis möchten wir zunächst abwarten. Eine erste Auswertung der Stellungnahmen und der Anhörung zeigt aber, dass wir hier Gesetzesänderungen - aber mit Augenmaß - werden vornehmen müssen, um Weiterbildung auch online zu ermöglichen, ohne Qualitätseinbußen zu provozieren.

 8.    Veranstaltung Zukunft lernen. Strategien und Praxis der Bildung für nachhaltige 
        Entwicklung am 17. Januar2017

Etwa 45 Personen waren beteiligt. Die beiden Ministerien Schule und Weiterbildung sowie Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz stellten die Landesstrategie vor. Manfred Beck, Vorsitzender des Fachforums Kommunen der Nationalen Plattform für nachhaltige Entwicklung stellte das Weltaktionsprogramm und die Bundesstrategie vor, Christian Eikmeier, Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) und Fachstelle BNE die weiteren Planungen auf Landesebene. Beeindruckt konnte man von dem sein, was Peter Reichenbach vom Färbergärtennetzwerk und Bürgermeister Georg Lüdtke aus Alheim in Hessen erreicht haben. Die Gemeinde Alheim ist jüngst mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Das Färbergärtennetzwerk arbeitet mit Schulen und Kitas zusammen; dabei lernen Kinder, natürliche Färbemittel herzustellen und diese zu verwenden.

 9.     Veranstaltung »Weiterbildung weiterdenken« am 10. Februar 2017

Circa 50 Personen aus unterschiedlichsten Weiterbildungseinrichtungen nahmen an der Veranstaltung teil.

Prof. Bremer, Universität Duisburg-Essen sprach zum Thema Weiterbildung im Umbruch. Angesprochen wurden: Evaluation der Weiterbildung, Weiterbildungskonferenz, Landesbeirat, Supportstelle Weiterbildung, Innovationsprojekte, Alpha-Netz NRW, Zielgruppen und Zielgruppengewinnung, bessere Beratungsstrukturen.

Monika Engel, Leiterin der VHS Herten berichtete über neue Formate und neue Zielgruppen, hierfür auch neue Zugangsmöglichkeiten, aufsuchende VHS, soziokulturelle Aufgaben, Werbung.

Frank Wittemeier, Bildungsforum Lernwelten Minden, referierte über Digitalisierung der Weiterbildung und die notwendigen Anforderungen .

Friedhelm Jostmeier, LAAW. berichtete über den Generationenwechsel und Situation der hauptamtlichen Beschäftigten und der Honorarkräfte.

Ulrich Wehrhöfer, Ministerium Schule und Weiterbildung beantwortete insbesondere Fragen zur Fördersystematik.

 10.     Fazit

Die Finanzierung der Beschäftigten ist ein zentrales Thema in der Diskussion um die Weiterbildung in NRW. Doch kein anderes Bundesland in Deutschland hat eine derartig vielseitige Weiterbildungsstruktur und hat diese auch gesetzlich verankert. Fakt ist auch – bei allen Unzulänglichkeiten wie prekäre Beschäftigungsverhältnisse und schlechte Bezahlung –, dass das Land viel investiert hat, denn die Weiterbildung in NRW hat sich weiter entwickelt und wird sich auch in Zukunft noch weiterentwickeln.

 

Gudrun Zentis, MdL

Sprecherin für Bergbausicherheit und Weiterbildung

Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW

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