Forschungszentrum Jülich verspielt Vertrauen

Im Zusammenhang mit der geplanten Verschiebung von Atommüll aus Jülich in das Zwischenlager Ahaus hat der Vorstand des Forschungszentrums in den letzten Wochen eine regelrechte „Aufklärungskampagne“ gestartet um mit einer transparenten Darstellung der bevorstehenden Vorgänge das kommunale Umfeld umfassend zu informieren.
So kam es, dass auch ich gemeinsam mit unserem grünen Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer letzte Woche das Forschungszentrum besuchte, um mich zu informieren und entsprechende Fragen zu stellen.

Mehrfach haben wir bei dieser Gelegenheit gefragt, wann die Transporte anstehen bzw. ob maßgebliche Termine bereits bekannt sind. Diese Fragen wurden klar mit „Nein“ beantwortet. Nur einige Stunden später wurde ein Schreiben des Landesministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz an den Bürgermeister der Stadt Ahaus bekannt, der einen Eckterminplan beinhaltete und dem eindeutig zu entnehmen ist, dass der Beginn der Castortransporte ab dem 1.3.2011 geplant ist und bis Juni 2013 die Transporte abgeschlossen sein sollen.

Ich gehe davon aus, dass dieser Eckterminplan dem Forschungszentrum zum Zeitpunkt unseres Gespräches bereits bekannt war und muss daher – enttäuscht und verärgert – feststellen, dass ich belogen wurde. Mein Vertrauen in den Vorstand des Forschungszentrums ist nach diesem Vorfall nur noch gering. Vertuschungstaktik und mediale Propagandakampagnen mögen von den Atomkraftwerkbetreibern RWE, Eon und Vattenfall bekannt sein – vom Forschungszentrum Jülich habe ich das nicht erwartet.

Auch wenn ich beim Gedanken an den in Jülich lagernden Atommüll ein sehr schlechtes Gefühl habe – der Sinn den Atommüll, Brennelemente aus dem stillgelegten Jülicher Versuchsreaktor, aus einem Zwischenlager (Jülich) in ein anderes (Ahaus) zu verschieben, erschließt sich mir auch nach dem Gespräch im Forschungszentrum nicht. Die Gefährdung von Millionen Anwohnern durch die Zugverschickung radioaktiven Materials, an einen ebenfalls nicht zur Endlagerung geeigneten Ort unter Aufwendung von Millionen Euro öffentlicher Gelder um eine tatsächlich nicht zu gewährleistende Sicherheit zu suggerieren, erscheint mir angesichts der andauernden Diskussion über mögliche Endlagerstätten übereilt und kurzsichtig.

Die weitere Entwicklung werde ich daher weiterhin kritisch begleiten.

Teile diesen Inhalt:

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld