Entwicklung des Hafen Antwerpen macht Ausbau der Schiene im Rheinland unabdingbar – Drittes Gleis Aachen-Köln und Eiserner Rhein müssen jetzt angepackt werden

Eine Exkursion der Grünen Regionalratsfraktion Köln zum Hafen von Antwerpen am 3. Oktober bestärkt Bettina Herlitzius und Gudrun Zentis in ihren Forderungen nach dem Ausbau der Schieneninfrastruktur im Rheinland.

Das Interesse der Regionalratsfraktion am belgischen Hafen ist nicht unbegründet: 34 Prozent des Containerverkehrs zwischen dem Hafen und dem europäischen Ausland fließen nach Deutschland. 50 Prozent dieses Verkehrs haben ihr Ziel oder ihre Quelle in Nordrhein-Westfalen. Der Transitverkehr durch NRW kommt noch hinzu. Diese Zahlen verdeutlichen, welche riesigen Verkehrsaufkommen vom Hafen von Antwerpener über die Straße und Schienen des Rheinlandes abgewickelt werden. Der Hafen ist für unsere Region neben dem Rotterdamer Hafen der wichtigste Seehafen.

In Zukunft plant die Hafenleitung gezielt den Weitertransport vom Hafen auf die Schiene und die Binnenschifffahrt zu verlagern. Binnenhäfen im Hinterland, wie zum Beispiel in Lüttich, sollen dazu ebenso systematisch ausgebaut werden, wie die Schieneninfrastruktur im Hafen selbst.

Der Transport nach Deutschland auf der Schiene erfolgt bis heute nur auf der sogenannten Montzenroute. In Aachen spalten sich die Anschlusstrecken dieser Trasse in Richtung Mönchengladbach-Duisburg und Richtung Köln auf.

Insbesondere die Strecke Aachen-Köln ist bereits heute fast an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Bettina Herlitzius MdB, sieht sich durch die Exkursion in Ihrem bisherigen Engagement für das dritte Gleis bestätigt: „Die Entwicklungen in Antwerpen bekräftigen die Ergebnisse der IVV-Studie, die unsere Regionalratsfraktion Anfang dieses Jahres in Auftrag gegeben hat. Wenn das durchgehende dritte Gleis zwischen Köln und Aachen nicht realisiert wird, gefährden wir den Bahnverkehr in der gesamten Region. Der Bau des Dritten Gleises muss aber mit dringend erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen entlang der Strecke einhergehen.“

Auch Gudrun Zentis, die Mitglied in der Verkehrskommission des Regionalrates ist, mahnt an: „Die Vertaktung des Personenverkehrs wird darunter ebenso leiden, wie regionale Bahn- und Logistikunternehmen. Die Rurtalbahn ist bisher die einzige private deutsche Bahngesellschaft, die Güter von und nach Antwerpen transportiert. Wenn wir auch zukünftig umweltschonenden Güterverkehr auf der Schiene fördern wollen, müssen wir jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen.“

Neben dem Ausbau der Strecke Aachen-Köln, ist auch eine weitere Bahntrasse von großer Bedeutung für den Hinterlandverkehr des Antwerpener Hafens: Der Eiserne Rhein. Diese Strecke ist jedoch seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Aktuell gewinnt die politische Debatte um die direkte Bahnverbindung zwischen Antwerpen und dem Ruhrgebiet wieder an Brisanz. Die Bundesregierung hält bisher an der Reaktivierung der historischen Trasse fest.
Bettina Herlitzius, die auch Obfrau der Grünen im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Bundestages ist, vermutet hierin ein gewisses Kalkül: „Die Bundesregierung sollte als Vermittler auftreten und die belgischen und niederländischen Nachbarn gemeinsam an einen Tisch bringen. Stattdessen hält sie an der historischen Trasse fest. Diese Strecke wird aber von den Niederlanden abgelehnt, da sie durch das Naturschutzgebiet de Meinweg bei Roermond führt. Anstatt einer offenen und lösungsorientierten Debatte über die Streckenführung, wird so der Stillstand manifestiert. Indirekt stärkt das die deutschen Nordseehäfen. Wirtschaftlich und ökologisch macht diese Taktik jedoch wenig Sinn: Der Transport von der deutschen Küste bis nach Nordrhein-Westfalen ist sehr viel teurer als von Antwerpen aus. Außerdem hat ein LKW-Transport von 200 Kilometern dieselbe Energiebilanz wie der gesamte Seetransport von China nach Antwerpen.“

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