Landtagsrede zu Ergebnissen der Weiterbildungskonferenz

Düsseldorf, 28.2.2013

Ein Ziel grüner Bildungspolitik ist, die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen und insgesamt Angebote der zweiten Chance nachhaltig zu stärken.

Dies ist auch im Koalitionsvertrag zum Ausdruck gekommen.

Muss ich auch zugeben, dass meine Kontakte in die Strukturen der Träger der Weiterbildungseinrichtungen vor Übernahme meines Mandats lückenhaft waren, so kann ich heute meine Hochachtung aussprechen, den Volkshochschulen und allen anderen Trägern von Weiterbildungseinrichtungen vor dem, was dort in großer Vielfalt mit viel Engagement geleistet wird.

Die Weiterbildung ist der Garant für lebensbegleitendes Lernen mit Angeboten für alle Altersgruppen und für alle Lebensbereiche.

Die Ergebnisse der Weiterbildungskonferenz, wurden im Oktober mit großer Einmütigkeit verabschiedet, und sind Anlass und Grund der heutigen Debatte.

Sie wurden Frau Landtagspräsidentin Gödecke und Frau Ministerin Löhrmann im Dezember übergeben.

Stellvertretend für alle Beteiligten der Weiterbildungskonferenz möcht ich Frau Sandbrink und Herr Hammelrath als der Sprecherin und Sprecher der Weiterbildungskonferenz danken für ihren Einsatz und die, wie ich in der letzten Sitzung der Weiterbildungskonferenz erlebt habe, nicht immer leichte Aufgabe die unterschiedlichen Interessen der am Prozess beteiligten Protagonisten verschiedenster Verbändevertretungen einvernehmlich zu bündeln und zu formulieren.

Die konstruktive Arbeit der Weiterbildungskonferenz hat uns, der Politik Handlungsbedarf und teilweise schon Lösungsansätze aufgezeigt:

Wir haben hier gemeinsam einen hohen Anspruch zu erfüllen.

Handlungsbedarf besteht in der Weiterbildung bei der Zielgruppenerreichung aller Bevölkerungsschichten unabhängig von der Quartierszugehörigkeit.

Eine Weiterbildungsberatung für bildungsferne Zielgruppen kann nicht erfolgreich sein, wenn nur diejenigen Personen, die mit einem konkreten Bildungsanliegen den Weg in eine Weiterbildungsberatungsstelle finden, weiter gebildet werden können. Beratungsanliegen müssen dort aufgegriffen werden, wo sie artikuliert werden.

Ein Projekt vom Ministerium für Schule und Weiterbildung „Weiterbildungsberatung im sozialräumlichen Umfeld“ trägt diesem Rechnung. Die positiven Projektergebnisse haben wir nach Auswertung auf unser gesamtes Bundesland zu übertragen.

Handlungsbedarf besteht innerhalb der vorhanden Strukturen, weil ein altersbedingter Generationenwechsel stattfinden wird, weil der große Ausbau der Weiterbildung in den 70ern stattfand und die Beschäftigten nun in Rente gehen. Diesen müssen wir vorbereiten, damit Kompetenzen weitergetragen werden können.

Die Weiterbildungskonferenz hat, wie auch das „Die-Gutachten“ zur Weiterbildung, mit großer Einigkeit den unterschiedlichen politischen Akteuren dieses Parlamentes in der „Weiterbildung“ stets einen breiten Konsens attestiert.

Gleichzeitig hat die Weiterbildungskonferenz drei Bereiche für ein gerechtes Weiterbildungssystem für alle ausfindig gemacht.

Rot/Grün wird sich dieser Aufgabenstellung annehmen im ständigen Dialog mit allen Akteurinnen und Akteuren im weiten Feld der Weiterbildungseinrichtungen und die Weiterbildung zukunftsfähig gestalten.

Ein Aufgabenfeld ist die Nachhaltige Finanzierung

Welche Bedeutung die Weiterbildung bei Rot/Grün einnimmt ist daran zu ersehen, dass trotz aller Finanzknappheit im Bereich der Weiterbildung keine Mittelkürzung im Haushalt vorgenommen wurde.

Dies ist verlässliche rot/grüne Politik.

Wir, Rot\Grün, haben Wort gehalten und die Mittelkürzungen durch Schwarz/Gelb wieder zurückgenommen. Rot/Grün wird soweit es die Förderkriterien der EU zulassen, Mittel des ESF ergänzend zur Verfügung stellen.

Bei der Überprüfung der Fördersystematik haben wir auf effiziente Strukturen zu achten, die gerecht, zielführend und gering im Aufwand sind.

Ergänzende ESF Mittel sind notwendiges und gut investiertes Geld. Kürzungen wären hier auch deshalb umso schlimmer, weil sie genau den Bereich Alphabetisierung und Grundbildung treffen würden.

Wir werden die EU in die Pflicht nehmen, denn eine wesentliche Aufgabe der Weiterbildung ist die Alphabetisierung und die Grundbildung.

Gestern habe ich erfahren, dass die Volkshochschulen rund 5.000 Personen jährlich bilden, damit diese nicht nur einzelne Buchstaben erkennen können, fähig sind einzelne Wörter zu lesen, sondern auch die Zusammenhänge im Satzgefüge zu verstehen.

Das Nachholen von Schulabschlüssen für Menschen, die es in unserem etablierten Schulsystem nicht geschafft haben, aus sozialen oder welch anderen Gründen auch immer, die später ihre Lust am Lernen wieder entdecken und einen höheren Bildungsabschluss anstreben, ist ein wesentlicher Bildungsauftrag an Volkshochschulen und andere freie anerkannte Weiterbildungseinrichtungen, Weiterbildungskollegs und Abendgymnasien.

Eine Studie hat ergeben, dass rund 14 % unserer erwerbsfähigen Bevölkerung als funktionale Analphabeten gelten.

Auf unser Bundesland bezogen müssen wir erkennen, dass wir nur 5.000 Menschen erreichen, und nur ihnen dadurch eine größere Teilhabe und eine andere gesellschaftliche Zugehörigkeit in unserer Gesellschaft, im Arbeitsleben ermöglichen.

Mit mehr Bildungsteilhabe, mehr Bildungsgerechtigkeit verhindern wir Armut, Arbeitslosigkeit, minimieren staatliche Unterstützungsleistungen. Also eine gute Investition in unsere Gesellschaft.

Ein weiteres Aufgabenfeld ist der Aufbau eines landesweiten Supportsystems für die Weiterbildung.

Auch das hat die Weiterbildungskonferenz deutlich gemacht:

Die Weiterbildung benötigt zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit ein Unterstützungssystem.

Es geht darum, die vorhandenen Ideen und die guten innovativen Beispiele aus der Praxis zu bündeln und dringend erforderliche Entwicklungsaufgaben anzupacken.

Ein Landesinstitut wie früher in Soest ist nicht mehr vorhanden.

Eine ähnliche Unterstützung ist ratsam und sollte so bald wie möglich umgesetzt werden.

Eine Supportstruktur muss für uns Grüne folgende Ziele verfolgen:

Die zentrale Unterstützung von Fortbildungs- und Qualifizierungsangeboten, sowie inhaltlich-pädagogische Perspektiven zur Weiterentwicklung aufzeigen

Die Entwicklung innovativer Formate und zielgruppengerechter Angebote für nicht erschlossene Zielgruppen.

Und beim Generationenwechsel die Sicherung der Know-Hows-und der best practice Beispiele, um neue Stellen betreuen zu können.

Von allen Beteiligten gewünscht ist ein schlankes, transparentes Berichtswesen, welches verlässliche Daten liefert und nicht unnötig Ressourcen bindet.

Im Jahr 2000, bei der letzten größeren Änderung des Weiterbildungsgesetzes gab es hierzu bereits einen Vorschlag des Gesprächskreises der Landesorganisation der Weiterbildung in NRW.

Vielleicht kann dieses noch hilfreich sein zur schnellen Umsetzung noch in diesem Jahr.

Mit einem effektiven Berichtswesen ist nicht nur eine finanzielle Grundlage für die Weiterbildung zu ermitteln, sondern auch die institutionelle Entwicklung kann dokumentiert werden als Grundlage für weiteres Handeln.

Ferner mangelt es bisher am Aufbau einer flächendeckenden und mobilen Weiterbildungsberatung

Das Gutachten des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) testiert Entwicklungsbedarf der Weiterbildungsberatung.

Eine landesweite Grundversorgung durch trägerneutrale Beratungsinfrastruktur ist dringend erforderlich, wenn wir den Vergleich mit den europäischen Nachbarländern im Bereich der Weiterbildung nicht mehr scheuen wollen.

Der Ausbau von Beratungsstellen für den Bildungsscheck und die Bildungsprämie sowie eine trägerübergreifende, ganzheitliche, flexible Beratung zur Weiterbildung ist erforderlich für mehr Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe.

Nicht erschlossene Zielgruppen erreichen wir nur durch Innovation der Weiterbildungsberatung, durch aufsuchende, mobile Beratung. Dazu gibt es an Einrichtungen der Weiterbildung heute schon hervorragende Praxisbeispiele, die gebündelt und für die Fläche nutzbar gemacht werden sollten. Auch das wäre Aufgabe einer dringen erforderlichen Supportstelle für die Weiterbildung.

Auch der Generationenwechsel ist nur durch die Erschließung neuer Zielgruppen zu erreichen, die ihre Aufgabe in der Weiterentwicklung der Weiterbildungsinstitutionen, in ihrem Selbstverständnis, der fachlich-didaktischen Arbeit und der strategischen Ausrichtung  sehen.

Ich verspreche mir viel von dem Wunsch der Weiterbildungskonferenz einen Landesbeirat einzurichten.

Ich halte es für sinnvoll und zielführend hier ein Expertengremium aus Vertretern aller Weiterbildungsträger, der kommunalen, gesetzliche verankerten Volkshochschulen und eventuell einer Vertretung der Nutzer zur Beratung der Ebenen des Ministeriums und des Parlamentes an der Seite zu wissen. Die Beteiligung eines Landesbeirates der Weiterbildung ist auch ein Zeichen für Bürgernähe und Transparenz rot/grüner Politik.

Ein solcher Landesbeirat sollte mit einer Geschäftsstelle ausgestattet sein und Empfehlungen an das Parlament geben können.

Die Einbindung der Weiterbildungseinrichtungen in die regionalen Bildungslandschaften muss verstärkt werden. In Kürze wird ein vom Land geförderter Handlungsleitfaden des Gesprächskreises für Weiterbildung vorliegen, mit dem die Zusammenarbeit zwischen Regionalen Bildungsnetzwerken und der Weiterbildung entwickelt und gestaltet werden kann.

Weiterbildung ist lebensbegleitendes Lernen

Eine Beschränkung auf die Bildungseinrichtungen der Kindertagesstätten, der allgemeinbildenden Schulen, der Hochschulen, Universitäten und der beruflichen Bildungseinrichtungen entspricht nicht mehr den Anforderungen, die an die Menschen dieses Jahrhunderts gestellt werden.

Auf Basis der Ergebnisse der Weiterbildungskonferenz werden wir mit dieser rot/grünen Landesregierung zu mehr Bildungsteilhabe und einer nachhaltigen Weiterbildung gelangen, die den anstehenden Generationenwechsel helfend begleitet.

Weiterbildung wird nur so unser demokratisches Gemeinweisen weiter stabilisieren und durch mehr Bildungsgerechtigkeit Armut verhindern, bzw. Wohlstand sichern.

Ganzheitliche Bildung und lebensbegleitendes, lebenslanges Lernen durch Weiterbildung ist Zielmarke grüner Politik.

 

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