Exkursion ins Mühlenbachtal

Garzweiler und die Folgen – Auf der Suche nach dem Grundwasser

Setzt man sich mit den Folgen des Braunkohletagebaus auseinander, wird man zwangsläufig mit gigantischen Dimensionen konfrontiert: Turmhohe Bagger, hundert Meter tiefe und viele Quadratkilometer große Löcher, schier unglaubliche Mengen an Abraum und ökologische Auswirkungen, die einen Angst und Bange werden lassen. Eine ganz spezielle Rolle spielt in diesen Zusammenhängen das Grundwasser. Will man die in den tieferen Erdschichten gelagerte Braunkohle abbauen, muss es zuvor abgepumpt werden. Die zahlreichen Probleme, die mit diesem Verfahren verbunden sind, haben wir in den Fokus genommen und uns in und um Mönchengladbach-Wanlo, am Rande des Tagebbaus Garzweiler II umgeschaut. Mit dabei waren unsere Abgeordneten Gudrun Zentis und Dr. Ruth Seidl.

Nach einem hochinformativen Input zu Beginn der Exkursion durch zwei Experten der Stadt Mönchengladbach, Frau Weinthal und Herrn Holtrup, war den etwa 15 Zuhörerinnen und Zuhörern die Dramatik der Situation klar. Die dargestellten Auswirkungen des Braunkohletagebaus auf das Stadtgebiet Mönchengladbachs werden von der Kommune bereits seit Beginn der 80er Jahre thematisiert. Genauso alt ist der Widerstand der Stadt. Dank alter Landkarten und Flussverlaufsplänen, die in kleinteiliger Eigenrecherche gesammelt und über die Jahre analysiert wurden, ließen sich die Folgen auch für den Laien erkennen: versiegende Flussquellen, ausgetrocknete Feuchtgebiete und volllaufende Keller. Die Sümpfungsmaßnahmen, die erforderlich sind, um das Grundwasser abzupumpen, führen zu genau diesen Symptomen, die breit in die Region ausstrahlen und teilweise auch unsere Nachbarn in den Niederlanden betreffen. Zudem sind die Bruchwälder im Naturpark Maas-Schwalm-Nette durch das Absinken des Grundwasserspiegels bedroht. Mit großem Aufwand wird deshalb Ersatzwasser mittels eines Systems von Rohrleitungen und Sickergräben in diesen Bereich gelenkt.

Tagebauaussichtspunkt Holz

Mit diesem Hintergrundwissen ging es dann per Minibus zu den verschiedenen Besuchsstationen. Erster Halt war der Aussichtspunkt des Tagebaus Garzweiler. Die schier unglaublichen Dimensionen machen im ersten Moment sprachlos. Erst nach und nach wird dem Betrachter klar, wie massiv dieser Eingriff in die Natur eigentlich ist. Auf knapp 50 Quadratkilometern, bei einer Tiefe von bis zu 160 Metern wird noch bis etwa 2045 Braunkohle abgebaut – insgesamt werden hier Vorkommen von 1,3 Milliarden Tonnen Kohle vermutet

Künstliche Niersquellen bei Kuckum

Mit diesen Bildern im Kopf ging es dann zur zweiten Station, den künstlichen Niers-Quellen bei Kuckum. Ein kleines, aber eindrückliches Beispiel für die negativen Auswirkungen Garzweilers. Die ursprünglich etwa 30 natürlichen Quellen sind durch den Tagebau längst versiegt. Damit die natürliche Wasserführung nicht noch weiter absinkt, wird der Niers am Oberlauf, u.a. bei Zourshof, Sümpfungswasser aus dem Tagebau über Rohrleitungen zugeführt. Ähnliches gilt auch für die Schwalm, die über eine kilometerlange Pipeline aus dem Tagebau-Wasserwerk Wanlo gespeist wird.

Versickerungsanlage beim Tagebau Garzweiler

Als nächstes stand ein Zwischenstopp an einer der rund 250 Versickerungsanlagen rund um den Tagebau an. Die runden bzw. langgestreckten Betonschächte gehören mittlerweile fest zum Landschaftsbild und sorgen dafür, dass bis zu 57.000 Liter Wasser pro Stunde kontrolliert zurück ins Erdreich gelangen. Würde man das zurückgeführte Wasser über die Erdoberfläche versickern lassen, bräuchte es viel zu lange, um die feinporigen Gesteinsschichten zu durchdringen.

Mühlenbachtal

Bevor die Exkursion endete, stand ein letzter Besuch auf dem Programm: das wunderschöne Mühlenbachtal. Auch dieses malerische Feuchtgebiet ist durch die Grundwasserabsenkung akut gefährdet. Nur dank bereits früh ergriffener Maßnahmen konnte in diesem Bereich der Grundwasserstand gehalten und so der wertvolle, für viele seltene Vogelarten, Amphibien, Insekten und Säugetiere ideale Lebensraum erhalten werden. Doch trotz zahlreicher Wasserzuleitungen bleibt die Situation bedrohlich, ein Absterben des Feuchtgebiets lässt sich aufgrund der Tagebaunähe niemals ausschließen.
Auch noch lange nach der Abfahrt aus Wanlo beeindrucken die Bilder des Tages. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur hinterlassen gemischte Gefühle – und den tiefen Wunsch, möglichst bald aus der Braunkohleverstromung auszusteigen.

Quelle: Dokumentation der Tagebautour unter www.gruene-fraktion-nrw.de

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