Rheinisches Braunkohlerevier im Überblick

recherchiert von Christian Klaeßen,
Praktikant Sept./Okt. 2013 im Büro Zentis, MdL

Geschichte der Braunkohleförderung

Bereits seit dem 17. Jahrhundert wird im rheinischen Revier Braunkohle abgebaut. Zuerst noch für die Farbherstellung verwendet, entdeckte man im späten 17. Jahrhundert, dass dieser Bodenschatz nach der Trocknung brennbar war. Grundherren ließen die Braunkohle daraufhin in zahlreichen kleinen Gruben von Bauern und Tagelöhnern abbauen.

Im 19. Jahrhundert etablierte sich zunehmend eine Braunkohleindustrie. Die kleinen Gruben verschwanden nach und nach und gingen zum Teil in größeren Tagebauen auf, die auf Grund ihrer schieren Größe eine deutlich höhere Wirtschaftlichkeit erreichen konnten. Betrieben wurden diese Tagebaue zum Beispiel von der Gewerkschaft Roddergrube (Gründung: 1821) oder dem Gruhlwerk (Gründung: 1874). Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Braunkohle erstmals zur Elektrizitätsgewinnung verwendet.

Während die Braunkohleförderung zwischen den beiden Weltkriegen teils deutlich zurückging, stieg sie in den 1920er Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg erneut rasant an.

Heute werden von der RWE Power AG im Rheinischen Braunkohlerevier jedes Jahr rund 100 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert, von denen gut 90% zur Strom- und Fernwärmeerzeugung genutzt werden. Von den rund 165 Mrd. kWh Strom, die RWE im Jahr 2010 produziert hat, gingen fast 40% auf das Konto der Braunkohle.

 Verschlossene Braunkohle-Gruben:

U.a.:

Alfred -> 1918 bis ca. 1941, 132 ha rekultivierte Fläche & Echtzer See

Berggeist -> 1858 bis 1965

Berrenrath -> 1914 bis 1970, ca. 400 Mio. Tonnen geförderter Rohkohle

Concordia -> 1902 bis 1958, im Anschluss entstand 11,9 ha großer Concordiasee

Donatus -> 1889 bis 1948, zuerst Unter-, dann Tagebau

Düren -> 1941 bis 1956

Gotteshülfe -> Eine der Gruben der Gewerkschaft Roddergrube

Gruhlwerk -> mehrere Gruben, 1874 bis zur Fusion mit der RAG 1908

Hürtherberg

Liblar -> 1900 bis 1961

Roddergrube -> erstmalige Verpachtung 1766, seit Mitte der 1870er Jahre Tagebau

Theresia -> Ab 1824, ca. 2000-5500 Tonnen Kohle jährlich

Vereinigte Ville -> 1901 bis 1988

Ehemalige, mittlerweile verschlossene Tagebaue:

Neurath bzw. Neurath-Nord (bis 1961 bzw. bis 1985)

Frechen (bis 1986) 334 Mio. Tonnen geförderte Kohle, Abbaugebiet: 11,5 km²

Zukunft/Zukunft-West (bis 1987)

Fortuna-Garsdorf (bis 1993) 1,03 Mrd. Tonnen geförderte Kohle,Abbaugebiet: 22 km²

Bergheim (bis 2002) -> 240 Mio. Tonnen geförderte Kohle

Offene Tagebaue:

Garzweiler I/II

Hambach

Inden I/II

Tagebau Hambach:

 Größe des Abbaufeldes: 85,0 km²  (Fast so groß wie die Stadt Solingen [89,45 km²])

Ursprüngliche Lagermenge: 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle

– Beginn der Erschließung im Jahre 1978

– 1984 konnte die erste Braunkohle aus gut 160 m Tiefe gefördert werden. Dafür mussten zuvor 700 Millionen m³ Abraum (Sand, Ton, Kies etc.) bewegt werden

– Heute werden knapp 40 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr aus gut 400 m Tiefe gefördert, dazu kommen noch einmal 250 Millionen m³ Abraum pro Jahr

– Restsee Hambach: 42 km² großer See, Volumen von 3,6 Mrd. m³, 400 m tief

-> tiefster und volumenmäßig nach dem Bodensee zweitgrößter See Deutschlands!

– Heutige Schaufelradbagger können mit 240.000 Tonnen Kohle bzw. Kubikmeter Abraum pro Tag 120 Mal so viel fördern wie die ersten Eimerkettenbagger um 1900.

Ein solcher Schaufelradbagger verbraucht dabei pro Tag im Schnitt 200.000 kW/h, was dem Stromverbrauch einer Kleistadt mit 17.000 Einwohnern entspricht. Der gesamte Tagebaubetrieb verbraucht 3,5% der elektrischen Energie, die er erwirtschaftet.

– Zwischen 2015 und 2020 werden sowohl die betriebseigene Hambachbahn als auch die A4 dem sich ausbreitenden Tagebau weichen und nach Süden verlegt werden müssen.

 

Tagebau Garzweiler

 Größe des Abbaufeldes: 114 km² (Größer als Gelsenkirchen [104,8 km²])

Garzweiler I: 66 km²

Garzweiler II: 48 km²

Lagermenge insgesamt: Knapp 3 Milliarden Tonnen Braunkohle (BUND)

Lagermenge in Garzweiler II: knapp 1,3 Milliarden Tonnen

Bisher rekultivierte Fläche: ca. 38 km² (BUND: 42), davon 29 km² (BUND: 31) landwirtschaftlich, 6 km² (BUND: 9) forstwirtschaftlich, 1,7 km² (BUND: 2) sonstige Flächen

Betriebsbeginn Garzweiler I: 1987 nach Zusammenschluss zweier kleinerer Abbaufelder

Betriebsbeginn Garzweiler II: 2006

Nach Angaben des BUND sümpft RWE für seinen Tagebau Garzweiler II jährlich rund 155 Mio. m³ Grundwasser. Zum Vergleich, die Stadt Mönchengladbach hat einen jährlichen Wasserverbrauch von ca. 27 Mio. m³ Wasser.

 

Tagebau Inden:

Größe des Abbaufeldes: 45 km²

Inden I: 27 km² (1985-2000)

Inden II: 17,8 km² (2000-ca. 2030)

Lagermenge Inden I: ursprünglich 490 Mio. Tonnen

Lagermenge Inden II: ursprünglich 470 Mio. Tonnen, seit 2013 noch 358 Mio. Tonnen (RWE)

 

Kraftwerke:

 Zurzeit werden knapp 100 Mio. Tonnen CO²-Emmissionen pro Jahr durch den rheinischen Braunkohlebetrieb ausgestoßen.

80 Mio. Tonnen CO²-Emmissionen gehen dabei pro Jahr auf das Konto der 4 RWE-Großkraftwerke Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem und Weisweiler

 

Frimmersdorf: – Standort: Grevenbroich

– Baubeginn 1953, somit ältestes Kraftwerk im Braunkohlerevier

– Bezieht Kohle aus dem Tagebau Garzweiler

– Elektrische Brutto-Gesamtleistung: Seit 2012 sind nur noch zwei

300 MW-Blöcke am Netz, daher: 635 MW

– Gemittelte Bruttostromerzeugung 2004-2006: 15,89 TWh

– Gemittelte Bruttostromerzeugung 2008-2011 (laut RWE): 13,8 TWh

– CO²-Ausstoß 2007: 16,8-19,6 Mio. Tonnen

– CO²-Ausstoß 2011: 15,2 Mio. Tonnen (Wiki)

– Gemittelter Braunkohleeinsatz 2008-2011: 17,0 Mio. Tonnen/Jahr

 

Neurath: – Standort: Grevenbroich

– Ging 1972 ans Netz

– Bezieht Kohle aus den Tagebauen Garzweiler und teilweise Hambach

– Brutto-Gesamtleistung: 4.400 Megawatt

– Gemittelte Brutto-Stromerzeugung 2004-2006: 15,92 TWh

– Gemittelte Brutto-Stromerzeugung 2008-2010 (laut RWE): 15,66 TWh

– CO²-Ausstoß 2007: 16,8 Mio. Tonnen

– CO²-Ausstoß 2011: 19,6 Mio. Tonnen

– Gemittelter Braunkohleeinsatz 2008-2010: 18.79 Mio. Tonnen/Jahr

 

Niederaußem: – Standort: Bergheim

– Inbetriebnahme 1963

– Brutto-Gesamtleistung: 3.669-3.864 Megawatt

– Gemittelte Brutto-Stromerzeugung 2004-2006 (RWE): 25,43 TWh

– CO²-Ausstoß 2007: 31,3 Mio. Tonnen (WIKI)

– CO²-Ausstoß 2011: 28,6 Mio. Tonnen (BUND)

– Gemittelter Braunkohleeinsatz 2004-2006: 25,38 Mio. Tonnen/Jahr

 

Weisweiler: – Standort: Eschweiler

– Erste Stromerzeugung 1955

– Bezieht Kohle aus dem Tagebau Inden

– Brutto-Gesamtleistung: 1.992 (RWE) – 2.293 (BUND) Megawatt

– Gemittelte Brutto-Stromerzeugung 2004-2006 (RWE): 17,52 TWh

– CO²-Ausstoß 2007: 19,7 Mio. Tonnen (BUND)

– CO²-Ausstoß 2011: 19,3 Mio. Tonnen (WIKI)

– Gemittelter Braunkohleeinsatz 2004-2006: 21,75 Mio. Tonnen/Jahr

Rekultivierung/Renaturierung

 Rheinische Tagebaue haben bisher gut 315 km² (nach Angaben des BUND bis Ende 2010 308 km²) Land in Anspruch genommen, davon sind gut 220 km² rekultiviert

è 118 km² Ackerland, 84 km² Forst, 20 km² Wasser und sonstige Flächen

Nach Angaben der RWE Power AG sollen die Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden insgesamt 19 km² Wald mehr hinterlassen, als vor dem Abbau der Braunkohle vorhanden war:

è Ca. 80 km² Wald wurden durch die Tagebaue im Rheinland insgesamt schon abgeholzt, 84 km² wurden bis jetzt wieder aufgeforstet.

Der BUND-NRW vertritt einen anderen Standpunkt. Nach den Angaben des nordrhein-westfälischen Landesverbands wurden z.B. durch den Tagebau Hambach bis Ende 2007 bereits über 48 km² Landschaft zerstört, bisher rekultiviert wurden allerdings nach eigenen Angaben von RWE gerade einmal 14 km².

Für einiges Aufsehen im Zusammenhang mit dem rheinischen Tagebau sorgt die Zukunft des Hambacher Forstes. Ursprünglich war dieser Wald einmal über 55 km² groß. Er stellt die größte Eichen-Hainbuchenwaldfläche Deutschlands dar und entspricht dem Lebensraumtypus 9160 des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) der EU. Mit der Bechsteinfledermaus oder dem Mittelspecht  stellt der Hambacher Forst auch den Lebensraum zahlreicher durch die FFH-RL geschützter Tierarten dar. Eine Beschädigung oder gar Zerstörung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten dieser Tiere ist nach der FFH-RL verboten.

Doch obwohl der Hambacher Forst nach Ansicht des BUND alle Kriterien der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie erfüllt, ist er nicht als schützenswertes Gebiet (Natura 2000) an die EU-Kommission gemeldet worden. Ausnahmen bilden lediglich die kleinen Areale Lindenberger Wald und Steinheide.

Ca. 40 km² des Forstes wurden bislang von RWE gerodet, bis auf wenige Teilflächen, so etwa der Lindenberger Wald, wird bis 2040 auch der restliche Forst dem Tagebau Hambach weichen müssen.

Zwischen 1978 und 1991 entstand durch den Aufschluss des Tagebaus Hambach aus 1,1 Milliarden m³ Abraum die Sophienhöhe, die an ihrer höchsten Stelle knapp 300 m misst. Heute besteht die Sophienhöhe aus gut 2,2 Milliarden m³ Abraum und nimmt eine Fläche von über 10 km² in Anspruch. Über 10 Millionen Bäume und Sträucher wurden auf der Sophienhöhe verpflanzt, dazu kommen 300 verschiedene Arten Wildpflanzen. Zusätzlich bietet die Sophienhöhe einige Wasserflächen und unaufgeforstete Biotope.

Viele der alten Braunkohlegruben wurden zu kleineren und mittelgroßen Seen verfüllt. Die meisten davon, etwa 40 Stück, finden sich im Naturpark Rheinland. Das als Villeseen bekannte Gebiet zwischen Brühl, Hürth, Erftstadt, Frechen und Kerpen erstreckt sich über eine Fläche von gut 75 km².

Zu den größten Seen zählen der

Klärteich (17 ha) aus der Grube Vereinigte Ville (1901-1988)

Peringsmaar (20 ha) aus dem ehemaligen Tagebau Fortuna-Garsdorf (1953-1993)

Berggeistsee (21,9 ha) aus der ehemaligen Grube Berggeist (Abbau: 1858-1965)

Heider Bergsee (35,4 ha)

Köttinger See (41,5 ha)

Otto-Maigler-See (50,5 ha) aus einer der Roddergrube-Gruben (1959)

Liblarer See (52,8 ha) aus der ehemaligen Grube Liblar (Abbau: 1900-1961)

Bleibtreusee (74,2 ha) aus einer der Gruhlwerk-Gruben (1874-1908 [Fusion RAG])

Weitere, zum Teil deutlich kleinere Seen sind: Hürther Waldsee, Donatussee, Lucretiasee, Concordiasee, Kasterer See, Boisdorfer See, Gruhlsee, Franziskussee, Gotteshülfeteich, Adolf-Dasbach-Weiher, Neurather See

Das bisher größte Renaturierungsvorhaben im Rheinischen Braunkohlerevier ist für die zurzeit noch aktiven Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden geplant. Statt die Restlöcher nach dem Ende des Tagebaus mit Abraum zu verfüllen, entschied man sich dazu, diese über Jahrzehnte mit Wasser zu fluten.

Den Anfang wird das Restloch Inden II machen. Ab 2030, wenn Inden voraussichtlich ausgekohlt sein wird, entsteht bis zum Jahre 2070 mit einer Fläche von über 11 km² der größte See Nordrhein-Westfalens.

Dies wird aber nur solange von Dauer sein, bis auch die Seen in den anderen beiden Großtagebauen vollständig geflutet sind.

Nach Inden II folgt das Restloch in Garzweiler II. Ab 2045 soll es über ca. 40 Jahre geflutet werden. Mit einer Fläche von gut 23 km² wird ein See entstehen, der mit einer Füllmenge von über 2 Milliarden m³ Wasser größer sein wird als der Chiemsee.

Getoppt wird dieser See allerdings noch vom zu erwartenden See aus dem Tagebau Hambach. Ab 2040 entsteht hier ein See, der mit knapp 42 km² Fläche und einer maximalen Tiefe von 400m der tiefste, sowie mit einem Füllvolumen zwischen 3,6 und 4,0 Milliarden m³ nach dem Bodensee der zweitgrößte See Deutschlands sein wird.

Umsiedlungen

 Nach Angaben der RWE sind nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Juni 2013 knapp 35.000 Menschen wegen des Braunkohletagebaus umgesiedelt worden. Schätzungen des BUND zufolge muss man bis 2045 mit 45.000 Menschen rechnen, die auf Grund des Tagebaus umsiedeln müssen.

Die bisherigen und auch zukünftigen Umsiedlungen verteilen sich wie folgt:

Umsiedlungen im Gebiet des ehemaligen Tagebaus Frechen

Habbelrath (Frechen), 1964 -> 1.635 Einwohner

Boisdorf (Kerpen), 1975 -> 170 Einwohner

Mödrath (Kerpen), 1964 -> 2.090 Einwohner

Grefrath (Kerpen), 1965 -> 1.630 Einwohner

Bottenbroich (Kerpen), 1953 -> 925 Einwohner

Berrenrath (Hürth), 1959 -> 1.979 Einwohner

Aldenrath (Hürth), 1952 -> 80 Einwohner

= 8.500

 

Umsiedlungen im Gebiet des ehemaligen Tagebaus Bergheim

Fortuna (Bergheim), 1985 -> 1.609 Einwohner

Umsiedlungen im Gebiet des ehemaligen Tagebaus Fortuna-Garsdorf

Garsdorf (Bedburg), 1965 -> 313 Einwohner

Frauweiler (Bedburg), 1965 -> 386 Einwohner

Wiedenfeld (Bergheim), 1965 -> 395 Einwohner

Burg Holtrop (Niederaußem), 1958 -> 46 Einwohner

Winkelheim (Bedburg), 1977 -> 164 Einwohner

Buchholz (Bedburg), 1977 -> 349 Einwohner

Giersberg (Glesch)

Muchhaus, Oberschlag, Geddenberg (Bedburg), 1969 -> 437 Einwohner

Bedburg-Ost -> 236 Einwohner

            = 2.300

Umsiedlungen im Gebiet des ehemaligen Tagebaus Zukunft

Erberich (Eschweiler), 1985 -> 118 Einwohner

Fronhoven (Eschweiler), 1974 -> 162 Einwohner

Langendorf (Eschweiler), 1977 -> 250 Einwohner

Langweiler (Aldenhoven), 1973 -> 650 Einwohner

Laurenzberg (Eschweiler), 1974 -> 363 Einwohner

Lohn (Eschweiler), 1974 -> 690 Einwohner

Lürken (Eschweiler), 1965 -> 105 Einwohner

Obermerz (Aldenhoven), 1972 -> 107 Einwohner

Pattern (Aldenhoven), 1990 -> 334 Einwohner

Pützlohn (Eschweiler), 1975 -> 160 Einwohner

Velau (Eschweiler), 1950 -> 300 Einwohner

= 3.200

Umsiedlungen im Gebiet des Tagebaus Inden

Inden, 1997

Altdorf (Inden), 2000

-> Zusammen 2.984 Einwohner

 

Zurzeit in Umsiedlung: Pier (Inden) -> bis Juni 2012 knapp 1.500 Einwohner

= 4.480

 

Umsiedlungen im Gebiet des Tagebaus Hambach

Etzweiler (Elsdorf), 2005

Tanneck (Elsdorf)

Gesolei (Elsdorf), 2003

-> Zusammen 1.178 Einwohner

 

Lich-Steinstraß (Niederzier), 1989 -> 1.473 Einwohner

= 2.650

Zurzeit in Umsiedlung: Morschenich (Merzenich), bis 2024 -> 493 Einwohner

Manheim (Kerpen), bis 2022 -> 1.631 Einwohner

 

Umsiedlungen im Gebiet des Tagebaus Garzweiler

Belmen (Jüchen), 1990 -> 339 Einwohner

Elfgen (Grevenbroich), 1987 -> 818 Einwohner

Garzweiler (Jüchen), 2003

Priesterath (Jüchen), 1997

Stolzenberg (Jüchen), 2000

-> Zusammen 1.645 Einwohner

Otzenrath (Jüchen), 2006

Spenrath (Jüchen), 2008

-> Zusammen 1.869 Einwohner

 

Holz (Jüchen), 2008 -> 519 Einwohner

Königshoven (Bedburg), 1983 -> 2.337 Einwohner

Reisdorf (Grevenbroich), 1962 -> 69 Einwohner

Epprath-Tollhaus, 1986 -> 449 Einwohner

Morken-Harff, 1976 -> 1.950 Einwohner

= 10.000

 

 

Zurzeit in Umsiedlung: Borschemich (Erkelenz), seit 2006 -> 645 Einwohner

Immerath (Erkelenz), seit 2006

Lützerath (Erkelenz), seit 2006

Pesch (Erkelenz), seit 2006

>     Zusammen 1.231 Einwohner

 

Geplante Umsiedlungen: Keyenberg (Erkelenz), ab 2016 -> 825 Einwohner

Holzweiler (Erkelenz) -> 1.500 Einwohner

Kuckum (Erkelenz), ab 2016

Westrich (Erkelenz), ab 2016

Berverath (Erkelenz), ab 2016

>    Zusammen  720 Einwohner

 

 

Nicht nur die Bewohner einer Stadt bzw. eines Ortes sind von bergbaubedingten Umsiedlungen betroffen. Auch alte Wahrzeichen und Denkmäler gehen zum Teil unwiederbringlich verloren.

 

Das zurzeit prominenteste Beispiel dürfte die St. Lambertus Kirche in Immerath sein. Seit 2006 wird der Erkelenzer Ortsteil in Folge des sich ausbreitenden Tagebaus Garzweiler umgesiedelt. Im Oktober 2013 fand die letzte Messe in dieser Kirche statt, die namentlich erstmals im 12. Jahrhundert Erwähnung fand. Der heutige Bau stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, wobei einige der Turmglocken noch aus dem 15. Jahrhundert stammen. Diese und einige weitere Gegenstände kann die Gemeinde in ihren neugebauten Ort (Immerath neu) mitnehmen, der Großteil jedoch muss zurückbleiben.

Bereits 1951 wurde die Kirche des Klosters Bottenbroich (Kerpen) in Folge des Tagebaus Frechen abgebaggert. Die Geschichte dieses Klosters, dessen Nutzung bereits im 18. Jahrhundert eingestellt wurde, reichte bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Doch nicht nur zahlreiche Kirchen fielen dem Tagebau im rheinischen Revier zum Opfer. Auch einige weitere historische Denkmäler mussten der Braunkohle weichen.

So etwa die Lürkener Burg in Eschweiler. Diese Wasserburg wurde bereits im 11. Jahrhundert erbaut, musste jedoch wegen des Tagebaus Zukunft 1964 abgebaggert werden.

Oder das Rittergut Hausen, das ebenfalls dem Tagebau Zukunft in den 1970er Jahren weichen musste. Dieses Gut blickte zum Zeit seines Abrisses bereits auf eine gut 700-jährige Geschichte zurück. Auch die Wasserburg Laurenzberg in Eschweiler, die im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde, musste 1972 dem Tagebau Zukunft weichen.

Auch die Burg Holtrop in Niederaußem musste wegen des Tagebaus Fortuna-Garsdorf 1958 abgerissen werden. Diese Burg wurde bereits im 12. Jahrhundert namentlich erwähnt und erlebte im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Umbaumaßnahmen.

Von Umsiedlungen sind allerdings nicht nur Gebäude, Denkmäler und Einwohner betroffen. Auch die Friedhöfe an den alten Standorten werden teils umgebettet. Die Kosten dafür trägt die RWE Power AG. Für die Gemeinde Immerath rechnet man damit, dass 70% der Umsiedler ihre verstorbenen Angehörigen umbetten lassen.

Auch der jüdische Friedhof in Glesch (Bergheim) wurde 1969 aufgrund des Tagebaus Fortuna-Garsdorf verlegt.

 

Die „Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier“ hat die Aufgabe, die bodendenkmalpflegerischen Maßnahmen, die in Zusammenhang mit dem Braunkohlebergbau stehen, zu fördern.

Sie kann sich die Abgrabungen der Tagebaue zu Nutze machen, um die Region nach archäologisch bedeutsamen Fundstücken abzusuchen. Trotz intensiver Arbeit können allerdings gerade einmal 5% der Fläche untersucht werden, die jedes Jahr durch den Tagebau zerstört wird (insgesamt rund 3,6 km²/Jahr). Ein Link zu einer Liste der aktuellen Forschungen der Stiftung im rheinischen Revier ist den Quellenangaben zu entnehmen.

Quellen:

Aachener Nachrichten: „Abbruchbagger: Rückbau von Pier geht voran“, 11. Juni 2012; auf: http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/dueren/abbruchbagger-rueckbau-von-pier-geht-voran-1.423415

BUND.NRW: Kennzahlen zu den Kraftwerken Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem und Weisweiler; abrufbar unter:

http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/braunkohlekraftwerke/kraftwerk_frimmersdorf/

BUND.NRW: „Umsiedlungen im Rheinland“, auf: http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/verheizte_heimat/umsiedlungen_im_rheinland/

BUND.NRW: „Braunkohle und Rekultivierung“, auf: http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/braunkohle_und_umwelt/braunkohle_und_rekultivierung/

BUND.NRW: „Klimakiller RWE – Nordrhein-Westfalen bleibt Schlusslicht beim Klimaschutz“, auf: http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/braunkohlekraftwerke/

BUND.NRW: „Tagebau Garzweiler“, auf: http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/tagebaue_im_rheinland/tagebau_garzweiler/

dla: „Die Umsiedlung hat begonnen – Erster Spatenstich zur Erschließung von Morschenich-Neu“, Super Sonntag, 22. September 2013; auf: http://www.gemeinde-merzenich.de/medien/bindata/Umsiedlung/presse/Super_Sonntag_22.09.2013_Spatenstich.pdf

Fraunhofer IRB: „Geschichte der Klosterkirche Bottenbroich und erste Restaurierung der bleiverglasten Scheiben“, auf: https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Geschichte-der-Klosterkirche-Bottenbroich-und-erste-Restaurierung-der-bleiverglasten-Scheiben/1988017190351

Kanzler, Heinz-Ludwig: „Die Burg war zuletzt ein Gutshof“, Rhein-Erft Rundschau, 18.08.2004; auf: http://www.rundschau-online.de/rhein-erft/die-burg-war-zuletzt-ein-gutshof,15185500,15916000.html

„Ländliche Friedhöfe müssen umziehen“; auf: http://www.maria-und-elisabeth.de/garzweiler/pressespiegel/pressenotizen/friedhofskultur_2010-11_laendliche_friedhoefe_muessen_umziehen.html

Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW: „Industriegeschichte: Rheinisches Braunkohlerevier“, auf: http://www.mbwsv.nrw.de/stadtentwicklung/baukultur/industriekultur/industriegeschichteRegionenNRW/industriegeschichteRheinischesBraunkohlerevier/index.php

RWE Power AG: Umsiedlungsübersicht, abrufbar unter: http://www.rwe.com/web/cms/de/1140350/umsiedlung/

RWE Power AG: Tagebau-Rahmendaten, abrufbar unter:

http://www.rwe.com/web/cms/de/59998/rwe-power-ag/standorte/braunkohle

RWE Power AG: „Tagebau Hambach – Versorgungssicherheit mit heimischer Energie“, Juni 2013, auf: http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/235948/data/657834/3/rwe/karriere/einsatzbereiche/rohstoffe/bergbau-bei-rwe-power/rheinisches-braunkohlenrevier/Tagebau-Hambach.pdf

RWE Power AG: „Rekultivierung im Rheinland – Die Landschaft nach dem Tagebau“, auf: http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/235956/data/657834/3/rwe/karriere/einsatzbereiche/rohstoffe/bergbau-bei-rwe-power/rheinisches-braunkohlenrevier/Rekultivierung-im-Rheinland.pdf

RWE Power AG: „RWE Power im rheinischen Braunkohlerevier“, April 2011, auf: http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/235860/data/657834/5/rwe/karriere/einsatzbereiche/rohstoffe/bergbau-bei-rwe-power/rheinisches-braunkohlenrevier/RWE-Power-im-rheinischen-Braunkohlenrevier.pdf

Stiftung Archäologie im Rheinischen Braunkohlerevier: Gesamtliste über alle Projekte; auf: http://www.archaeologie-stiftung.de/Wissenschaft/Gesamtliste/

Stadt Erkelenz: „Bedeutende Bau- und Kunstwerke in Erkelenz – St. Lambertus Immerath“, auf: http://www.erkelenz.de/pdf/Tourismus/Stadtportrait/Bau-_und_Kunstwerke/17_-_St__Lambertus_Immerath.pdf

„Verlorene Orte, Untergegangene Dörfer, Überbaggert und Devastiert, Vom Tagebau zerstörte Ortschaften“, abrufbar unter:

http://www.devastiert.de/tagebau/frechen.php

Über Radioaktivität in Tagebauen, siehe Angaben des BUND.NRW unter:

http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/braunkohle_und_umwelt/radioaktivitaet_aus_tagebauen/

 

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