Gastbeitrag von Gudrun Zentis MdL, Weiterbildungspolitische Sprecherin: Weiterbildung weiter denken

Rund 50 Fachleute von Volkshochschulen, Akademien und andere freier Träger kamen am 7. März auf unsere Einladung der Fraktion, zu einer Weiterbildungskonferenz im Landtag zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen standen Strategien zur Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung. Im internationalen Vergleich ist diese eher mittelmäßig und bei bestimmten gesellschaftlichen Gruppen wie z.B. Migrantinnen und Migranten erschreckend niedrig. Prof. Helmut Bremer von der Universität Duisburg-Essen kritisierte in seinem Impulsreferat, dass in der Weiterbildung leider das „Matthäus-Prinzip“ zu beobachten sei: Wer hat, dem wird gegeben. Damit ist eine deutliche Chancenungleichheit auf Weiterbildung gemeint.  Aber es gibt auch gute, innovative Ansätze. So die „Lernläden“ in Berlin oder der Beirat in Ahlen „Migranten machen VHS“ oder das Bildungswerk für Friedensarbeit Bonn, deren Vertreterin Angelika Klotz-Groeneveld anschaulich berichtete, welche Lernerfolge sie erzielt haben. Zentrale Aspekte sind Vernetzung, Schlüsselpersonen, um „bildungsferne“ Gruppen zu erreichen, aufsuchende Strategien, Lebenswelt- und Sozialraumorientierung. Das stellt die Weiterbildungslandschaft vor Herausforderungen  beim Aufbau von Beratungsstrukturen, bei den Qualifizierungsbedarfen und in der Organisationsentwicklung. Die geladenen Podiumsteilnehmerinnen Doris Sandbrink vom Gesprächskreis Weiterbildung NRW, Monika Biskoping von der Bergischen VHS und Angelika Klotz-Groeneveld vom Bildungswerk für Friedensarbeit Bonn brachten ihre spezifischen Erfahrungen ein. In der Konferenz wurde von verschiedener Seite festgestellt, dass sich auch die Fördersystematik diesen veränderten Ansprüchen anpassen sollte. Erfolgreiche Projekte brauchen mehr Vorlauf, Beratung und Begleitung. Das lässt sich nicht einfach in Teilnehmertagen ausdrücken. Ministerin Sylvia Löhrmann teilte die Einschätzung, dass „die bisherigen Settings zu homogen“ sind und die Weiterbildung deshalb mehr Gestaltungsspielräume brauche. Sie verwies auch auf weitere Herausforderungen: Der demografische Wandel müsse begleitet werden, dabei stehe die Weiterbildung selbst vor einem Generationenwechsel vor allem bei den freien Trägern. Hier gehe es um Wissenstransfer und Organisationsentwicklung. Mit Wohlwollen und Anerkennung registrierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass Sylvia Löhrmann die Weiterbildung zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit in diesem Jahr machen wird. Am neuen Landesinstitut QUALIS hat der schrittweise Aufbau einer Supportstelle bereits begonnen.

Teile diesen Inhalt: