Primus-Schule Titz: Erfolgsmodell für individuelle Förderung

Das Lernen und das Frühstück gefallen mir am besten, findet die Titzer Primus-Schülerin Charlotte

Das Lernen und das Frühstück gefallen mir am besten, findet die Titzer Primus-Schülerin Charlotte

„Das Lernen und das Frühstück gefallen mir in der Schule am besten,“ findet Charlotte, 1. Klasse. Sie geht in die Primus-Schule in Titz. Es herrscht eine nette Stimmung im Klassenraum. 20 Kinder sitzen auf Kippelstühlen um einen großen runden Tisch. In der zweiten Stunde, vor der großen Pause steht regelmäßig ein gemeinsames Frühstück an. Die GRÜNE Landtagsabgeordnete Gudrun Zentis machte sich mit dem Grünen Fraktionsvorsitzenden Christian Waldrich, Titz, ein Bild von der Primus-Schule, die auf Dauer die letzte verbleibende Schule vor Ort sein wird. Bereits der zweite Jahrgang wird seit den Sommerferien in den Schulgebäuden der Gemeinde Titz unterrichtet, die nach Auslaufen der Hauptschule und Zusammenführung der Grundschulstandorte leer gestanden hätten. Mit der Primusschule haben alle Titzer Kinder die Möglichkeit bis zum 10. Schuljahr eine Schule vor Ort zu besuchen und anschließend auch das Abitur an einer Gesamtschule, Berufskolleg oder Gymnasium in den umliegenden Kommunen abzulegen.

BM Jürgen Frantzen, Gudrun Zentis MdL, Schulleiterin Stefanie Törtel-Howlett und Titzer Fraktionsvorsitzende Christian Waldrich (GRÜNE) beim Besuch in der Primus-Schule

BM Jürgen Frantzen, Gudrun Zentis MdL, Schulleiterin Stefanie Törtel-Howlett und Titzer Fraktionsvorsitzende Christian Waldrich (GRÜNE) beim Besuch in der Primus-Schule

„Das Primus-Konzept passt ausgezeichnet, wie man in Titz feststellen kann, auch in viele ländliche Kommunen,“ zeigte sich Zentis beeindruckt. „Es gab kein Modell, an dem man sich orientieren konnte. Uns war einfach von Anfang an wichtig, dass man mit einem neuen Modell eine ganz andere Möglichkeit hat, eine gute Schule aufzubauen: Die Starken werden nicht gebremst, die Schwachen nicht überfordert. Jedes Kind ist einzigartig. Jedes Kind hat seine individuelle Förderung. Wir nehmen alle Kinder mit. Wenn nicht in der Primus-Schule, wo denn sonst?“ so die Schulleiterin Stefanie Törtel-Howlett und ihre Stellvertreterin Anja Schüürmann einstimmig. „Bedeutet individuelle Förderung Mehraufwand?“ erkundigte sich Zentis in der Runde des Lehrerkollegiums. „Die Frage ist, ob es viel mehr ist oder die Arbeit einfach anders verteilt ist. Wir profitieren sehr vom Teamteaching und kontrollieren den Lernstand während des Unterrichts,“ war die Meinung des jungen Lehrerkollegiums. „Wir müssen gut organisieren und Absprachen zwischen den Kolleginnen funktionieren. Individuelle Förderung und Forderung und eigenaktives Lernen braucht klare Strukturen und Anweisungen zum selbständigen Lernen,“ erklärt Törtel-Howlett das Konzept. Christian Waldrich, Grüner Fraktionsvorsitzender der Gemeinde Titz: „Das Herzblut der Primus-Schule müssen wir unbedingt in den Rat transportieren.“

Der Schulstandort Titz stand im Juli 2013 noch kurz vor dem Aus. „Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein,“ ereiferte sich Thomas Lessenich (GRÜNE) im Sommer 2013 im Titzer Rat. Die Grünen beantragten eine Sondersitzung. Innerhalb von zwei Wochen wurde ein Konzept von der Schulleiterin mit sogenannter heißer Nadel gestrickt. „Hilfestellungen gab es beim Ministerium und der örtlichen Landtagsabgeordneten. Heute ist die Primus-Schule gut angekommen bei Eltern, Kindern, Lehrern. Die Primusschule ist ein Schulversuch des Landes, der wissenschaftlich begleitet wird von der Universität Bremen. „Wir kommen uns manchmal vor, wie eine gläserne Schule mit allen Vor- und Nachteilen,“ so Törtel-Howlett. „An der Universität Bremen gibt es sogar ein Forschungsseminar „Schulentwicklung und Schulversuch Primus“ mit Prof. Dr. Till-Sebastian Idel, welches die Beteiligten der Primus-Schule in Titz mit Interviews, Supervision, SWOT-Analysen begleitet, sogar filmischen Dokumentationen, wenn die Eltern dem zustimmen.“
Nach anfänglicher Skepsis ist die Einschulungsquote von Titzer Kindern die das schulpflichtige Alter erreichen mittlerweile bei 85% mit Tendenz nach oben. Von Eltern aus Bedburg, Kirchherten und Niederzier kommen mittlerweile Anfragen, ob ihre Kinder in Titz beschult werden können. Gymnasien sind an einer Kooperation mit der Primus-Schule interessiert.“ schmunzelt Bürgermeister Jürgen Frantzen, der es sich nicht nehmen ließ, den Besuch als Schulträger zu begleiten und Gudrun Zentis danke für die stets wohlwollende Begleitung in der Gründungsphase.

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