Replik von Gudrun Zentis auf Artikel des Kölner Stadtanzeigers vom 06.11.2015:

RWE widerspricht Studie von Dr. Ralf Krupp zur Grundwasserproblematik

Die RWE Power AG stellt sich ihrer Verantwortung für die zukünftigen Generationen nicht – ein Kommentar von Gudrun Zentis, MdL und Sprecherin für Bergbausicherheit der Grünen Fraktion NRW:

Durch die Tagebaue im Rheinischen Revier wird großräumig durch Sümpfungsmaßnahmen dem Boden das Grundwasser entzogen. Gebiete fallen trocken und Naturschutzgebiete müssen zusätzlich Wasser erhalten, um zu überleben. Perspektivisch wird der Abbau von Braunkohle in Tagebauen auslaufen, das Ende ist nun in Sicht. Die großen Löcher sollen dann mit Wasser befüllt und die Sümpfmaßnahmen eingestellt werden. Dabei stellt sich die Frage, was dies für die Region und den Wasserhaushalt bedeuten wird. Dieser Frage ist die Grüne Landtagsfraktion mit einem Gutachten des Gutachters Dr. Ralf Krupp nachgegangen. Durch das Gutachten haben wir einige Erkenntnisse gesammelt; es wurden aber auch Fragen aufgeworfen, denen wir in unserer weiteren Arbeit nachgehen werden.

Als Antwort auf unser Gutachten hat der Kölner Stadtanzeiger der RWE Power AG in seiner Ausgabe vom 06.11.2015 , vertreten durch Prof. Forkel, die Möglichkeit gegeben, Stellung zu unserem Gutachten zu nehmen. Herr Prof. Forkels Antworten auf die von Herrn Dr. Krupp untersuchten Fragestellungen überzeugen jedoch nicht und scheinen mehr eine Abwehrreaktion zu sein, als die konkrete Betrachtung möglicher langfristiger Folgen des Bergbaus. Aufgabe unseres Gutachtens war es mögliche Auswirkungen zu untersuchen und mögliche Problemfelder zu identifizieren, bevor wirklich Probleme, wie sie z.B. in Ostdeutschland schon heute sichtbar sind, entstehen. Es wäre wünschenswert, wenn alles gut wäre, wie von Herrn Prof. Forkel in seinem Artikel erläutert. Aufgabe von Politik ist es aber auch, vorsorgend tätig zu sein und genauer hinzuschauen, bevor Probleme entstehen. Im Zusammenhang mit dem Abbau von Braunkohle bedeutet dies, schon heute mögliche Konsequenzen des Grundwasserwiederanstiegs zu betrachten, dies in Planungen und Entscheidungen mit einzubeziehen und Risiken möglichst zu minimieren.

Im Konkreten bedeutet dies:

Es bedeutet, dass genau hingeschaut werden muss, welche Beeinträchtigung des Grundwassers durch die Oxidation von Pyrit in den Innenkippen, ermöglicht durch die massive Grundwasserabsenkung und den daraus resultierenden Luftkontakt, besonders im Bereich des zukünftigen Restsees entstehen kann.

Denn dort wird es keine natürlichen Trennschichten mehr geben, die unterschiedliche Grundwasserstockwerke ermöglichen und somit Grundwasserverunreinigungen verhindern könnten. Deshalb müssen wir sehr genau darauf achten, wie sich das Grundwasser entwickelt und welche Möglichkeiten es gibt, das Grundwasser vor Verunreinigungen zu schützen.

Eine Möglichkeit negative Auswirkungen auf das Grundwasser in der Region zu verhindern ist es dem Kippenmaterial Kalk zuzufügen. Ob die beigefügte Kalkmenge in der Abraumkippe reicht, ist nach grober Einschätzung des Gutachters fraglich. Darüber hinaus wirkt die Kalkung der Innenkippen (Garzweiler II) nur – wenn überhaupt – der Versauerung entgegen, nicht jedoch der Freisetzung von Sulfaten und anderen Verbindungen. Somit ist es wichtig, dies intensiv zu begleiten und ggf. bereits jetzt Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sofern dies möglich ist. Die RWE Power AG muss sich auch hier Ihrer Verantwortung stellen.

Genießbares Trinkwasser ist ein kostbares Gut. Gerade in der Umgebung des Tagebau Hambachs ist dies wichtig, da hier die Sümpfungsmaßnahmen der Region heute das Grundwasser entziehen. Diese Situation wird durch die hohe Nitratbelastung zusätzlich verschärft. Dies führt u.a. dazu, dass die Gewinnung neuer Trinkwasserbrunnen zu einem Problem wird.

Genau betrachtet werden müssen auch die Planungen der zukünftigen Restseen Inden, Hambach und Garzweiler II. Denn bisher gibt es mit Tagebaurestseen mit diesen Ausmaßen keine Erfahrung. Zudem zeigen die Erfahrungen aus Ostdeutschland, dass die Planung und Gestaltung von Restseen Herausforderungen mit sich bringt.

Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es schon einige, kleinere Restseen. Die Restseen in der Ville sind z.B. erheblich kleiner und wesentlich flacher als die zukünftigen Restseen der Großtagebaue. Aber auch hier treten bereits Probleme auf, z.B. am Blausteinsee.

Der Blausteinsee ist mit fast 100 ha der bis jetzt größte Restsee in unmittelbarer Nähe zum Tagebau Inden. Ursprünglich sollte der Blausteinsee ab 2005 stabil seinen Wasserstand halten können. Dies ist allerdings nicht der Fall, der Wasserspiegel sinkt.

Das Wasser zur Befüllung des Blausteinsees stammt aus den Sümpfungsmaßnahmen zur Trockenhaltung des Tagebaus Inden, sodass ein Kreislauf entsteht. Hinzu kommt, dass das Wasser des Blausteinsees durch die Sümpfungswässer einen hohen Eisengehalt bekommt. Der See ist damit alles andere als ein Vorzeigemodell für die Entwicklung von Restseen in der Region. Dies zeigt eindrücklich, warum Dr. Krupp mit seinen Abschätzungen über die zukünftigen Restseen nicht falsch liegt.

Selbst wenn der Tagebau Inden eines Tages ein Restsee sein wird, besteht erheblicher Zweifel, ob der Blausteinsee jemals ohne die Zugabe von Wasser auskommen wird, weil die nun für den Ablauf des Wassers verantwortlichen Wasserwege bestehen bleiben werden, da ein Teil des Wassers Richtung Erftaue abfließt. Dies sollte uns ein Hinweis sein, dass bei den tieferen Restseen der Tagebaue Inden, Hambach und Garzweiler II je nach Wasserwegen auch ähnliche Probleme auftreten könnten. Wir werden hier bei der Planung und Gestaltung der Restseen ständig prüfen müssen, welche Beeinträchtigung des Wasserhaushaltes durch die Entstehung der Restseen möglicherweise entstehen können.

Klar ist heute schon, dass die Erftaue dauerhaft entwässert werden muss, wenn die dortigen Gebäude nicht im Wasser stehen sollen. Während mit der RAG eine gute Lösung gefunden wurde, diese auf ewig nötigen Entwässerungsmaßnahmen über Stiftungsgelder zu finanzieren, ist dies im Bereich der Braunkohle immer noch nicht verlässlich geregelt. Stattdessen wird von einem „gesellschaftlichen Konsens“ gesprochen, der allerdings am Ende die Bewohner*innen nicht vor dem Wiederanstieg des Wassers schützen wird, wenn hier keine rechtlichen Rahmenbedingungen gestaltet werden. Die RWE Power AG konnte jahrzehntelang auf Kosten der Bürger*innen und der rheinischen Landschaft mit dem Braunkohlentagebau gute Gewinne erzielen. Jetzt muss sie sich auch ihrer Verantwortung stellen und darf die Ewigkeitskosten nicht der Gesellschaft aufbürden. Das Beispiel des Blausteinsees und aber auch die Frage des Wiederanstiegs des Grundwassers zeigen, dass die Braunkohletagebaue uns auch nach der Beendigung des eigentlichen Abbaus weiter beschäftigen werden und wir gut daran tun, jetzt bereits die wichtigen Fragen zu stellen, damit wir vorbereitet sind und Antworten haben. Es wäre erfreulich, wenn RWE diese Fragen gemeinsam mit der Politik offen und transparent angehen würde. Wir werden so oder so nicht aufhören, die Planung der Restseen konstruktiv zu begleiten und kritisch zu hinterfragen.

 

 

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