Gudrun Zentis und Jutta Velte im Weiterbildungskolleg Remscheid

Leiterin der VHS Remscheid, Nicole Grüdl-Jakobs, Jutta Velte, Gudrun Zentis

Leiterin der VHS Remscheid, Nicole Grüdl-Jakobs, Jutta Velte, Gudrun Zentis

Gudrun Zentis und Jutta Velte informierten sich am Montag, den 5. September beim Remscheider Weiterbildungskolleg auf der Bökerhöhe über dessen Arbeit mit geflüchteten jungen Menschen. Konkreter Anlass war ein Schreiben des Schulleiters Herrn Tolksdorf, in dem der für eine Stärkung seiner Schulform warb und auf die hohen, fast nicht erfüllbaren bürokratischen Zugangsvoraussetzungen von Geflüchteten hinwies, die, wenn sie die Abendrealschule besuchen möchten, entsprechende Vorqualifikationen wie einen Berufsabschluss nachweisen müssen. „Wer denkt schon bei seiner Flucht daran sein Zeugnis einzupacken“, sagt Gudrun Zentis. „Da gibt es sicherlich andere Dinge, die man zum Überleben einpackt oder als Erinnerung an Familie und Heimat“, so Jutta Velte.

„Das Problem der erleichterten Zugangsvoraussetzungen ist landesseitig nicht zu lösen“, führte Zentis im Gespräch mit dem Schulleiter aus. Alle Fraktionen des Landtages haben sich in einem gemeinsamen Brief an die zuständige Bundesministerin Wanka gewandt mit dem Ziel, dass eine Glaubhaftmachung ausreichend sein sollte. Bisher fehlt die Antwort und die Erleichterungen bei der Einschulung. Das Land hat zwischenzeitlich ermöglicht, dass Vorkurse zum Spracherwerb eingerichtet werden, damit schnell deutsche Bildungsabschlüsse erworben werden können.

„Die Arbeit der Weiterbildungskollegs erfährt oftmals nicht die Wertschätzung, die sie tatsächlich verdient“, sagte Gudrun Zentis, Sprecherin für Weiterbildung der GRÜNEN Landtagsfraktion. Oftmals wird diese Schulform, wenn sie denn in einer Kommune vorhanden ist, nicht wahrgenommen. Gerade in der derzeitigen Situation, wo viele Menschen aufgrund der Notsituationen und kriegerischer Auseinandersetzungen in ihrer Heimat in unserem Land Zuflucht suchen, sind die Weiterbildungskollegs unverzichtbarer Teil zur Integration. Diese wird auch durch das  Erlernen der deutschen Sprache und die Erlangung von Schulabschlüssen befördert. Die Weiterbildungskollegs sind mehr denn je eine unverzichtbare Säule unseres Bildendungssystems. Früher wurde diese Schulform fast ausschließlich von Erwachsenen zum Erwerb zusätzlicher Qualifikationen im Abendbereich nach der Berufstätigkeit besucht. Sie ermöglichen heute vielen jungen Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen im Regelschulsystem keinen Abschluss erworben haben, sich hier eine gute Grundlage mit einem Schulabschluss für ihr Erwerbsleben und somit für ihre Existenzsicherheit zu erwerben. Der Schulleiter führte aus, dass selbst Einser-Abschlüsse erworben werden und einige Teilnehmer*innen aus eigenem Antrieb das Abitur angehen. Das engagierte Auftreten des Kollegiums beeindruckte die beiden Abgeordneten.

2016-9-5-weiterbildungremmscheid1Jutta Velte, die neben ihrer Tätigkeit im Landtag, stellvertretende Schulausschussvorsitzende in Remscheid ist, würde sich freuen, wenn die Arbeit des Weiterbildungskollegs etwas stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken würde. Ihr Wunsch: Es wäre schön, wenn das Kolleg seine Arbeit und die Bandbreite seiner Aufgaben einmal im Schulausschuss darstellen würde.

Beeindruckt zeigten sich die beiden Politikerinnen von den Bildungsfortschritten der jungen Geflüchteten. „Sein, ihr, unser – beeindruckend wie die Studierenden schon im zweiten Semester die Grammatik beherrschen, wie motiviert die jungen Leute sind – und auch ihre Lehrer und Lehrerinnen.

Es kommen viele junge Menschen zu uns. Manchmal sind auf der Flucht Zeugnisse verloren gegangen, manchmal hatten sie wegen des Kriegs keine Gelegenheit eine Schule zu besuchen. Gemeinsam mit der VHS ist das Weiterbildungskolleg unverzichtbar, wenn es für diese jungen Erwachsenen um einen guten Start in Deutschland und die Perspektive auf eine Ausbildung geht.“

Einig waren sich alle: Der Austausch soll auf den verschiedenen Ebenen fortgesetzt werden. Und die Einladung zum gemeinsamen Adventsessen steht schon fast. Ganz nebenbei – das Mittagessen, zubereitet von einen jungen Herrn aus Ghana und einem Konditor aus Afghanistan war köstlich.2016-9-5-weiterbildungremmscheid3

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